Serdar Somuncu – Der Hassprediger, 22.03.2010, Mehrzweckhalle Lebach-Aschbach

Im Rahmen der Wochen gegen Rassismus (15. – 26.03.2010 in Saarbrücken), die vom Jugendzentrum Försterstraße, der DGB Jugend Saar, dem Jugendcafé Exodus und der Hamburger Kampagne “Laut gegen Nazis” gestaltet wurden, gab sich der wohl bekannteste ehemals türkisch-stämmige Kabarettist Serdar Somuncu die Ehre und trat überraschenderweise in der doch sehr beschaulichen Mehrzweckhalle Aschbach mit seinem Programm „Der Hassprediger“ auf.

Nun wird der Platz hier kaum reichen, um die ganze Genialität dieses Künstlers darzustellen. Natürlich provoziert Somuncu mit Nazivergleichen, natürlich baut er auch die ein oder andere bewusste Beleidigung ein…und dennoch tut er es so, dass sich kein Zuhörer beleidigt fühlt, sondern minutenlang über das Gesagte nachdenkt (Wie Somuncu sagen würde: Den Nazi in sich selbst entdecken).

So bekommt die Fernsehwelt ebenso ihr Fett weg (Laut eigener Aussage Somuncus werden seine Fernsehauftritte sehr oft geschnitten oder unverständlich wieder zusammengesetzt), die gut und gerne mal Asoziale Asoziale spielen lässt, was dann wiederum Asoziale unterhalten soll, wie auch die Politik, die zwar gerne in friedvollen Phrasen schwafelt, aber dennoch hintergründig zwei Seiten beleuchtet. Mit nachdenklichen und anstößigen Fragen wie „Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher die Taliban ihre Ersatzkassetten haben, wenn sie Filme drehen?!“ erzeugt Somuncu natürlich auch ein Schmunzeln. Und dennoch handelt es sich, wenn überhaupt, um sehr gehobenes Kabarett, gerne auch intelligente Comedy genannt, wie sie bspw. auch Bastian Pastewka vorlebt. Nun kann man beide natürlich nicht vergleichen. Somuncu schafft einen gekonnten Spagat zwischen nachdenklichen Einwürfen, die er dann des öfteren mit Brachialausdrücken oder Vulgärsprache verfeinert.

Es ist kaum möglich, das Programm schriftlich darzustellen, man muss es gesehen haben.

Erwähnenswert bleiben dennoch seine Erwägungen zum Tod von Jörg Haider, der selbstverständlich in einer Rechtskurve rausgeflogen ist, was natürlich nicht verwunderlich ist, denn Nazis wüssten ja nicht, wo die Bremse ist. Die kennen ja immer nur Gas, Gas, Gas.

Somuncu ist noch längere Zeit auf Tour. Deshalb nochmals mein dringender Appell an alle, die Mario Barthschen Klischeemist, Ingo Appelts schlechte Witze oder die Ingolf Lücks dieser Welt leid sind: Schaut euch den „Hassprediger“ an!!!

Links:

www.somuncu.de
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