Kritik: Fantasy Nächte, 22.07.2011, Bürgerhaus Neunkirchen

Am letzten Freitag, dem 22.07.2011 stand eines der Highlights der diesjährigen Neunkircher Nächte auf dem Programm: Die FANTASY Nächte, kurzfristig ins Neunkircher Bürgerhaus verlegt, boten Abwechslung, aber auch krasse Qualitätsunterschiede…

Schlechtes Wetter kann einer Veranstaltung durchaus mal einen Strich durch die Rechnung machen. Umso besser ist es dann, wenn man fähige Organisatoren hat, die im Handumdrehen improvisieren können.

So auch am Freitag. Aufgrund ständigen Regens entschloss sich die Neunkircher Kulturgesellschaft spontan, ihre diesjährigen Fantasy Nächte ins Bürgerhaus zu verlegen. Man muss sagen: Gute Idee, denn künstlerisch und optisch war der Umzug keinesfalls eine Abwertung. Lichteffekte, Dämmerstimmung, gemütliche Sitzgruppen…all das schuf schon einmal ein perfektes Ambiente für die die Lesung der kommenden 4 mehr oder weniger bekannten Fantasyautoren, die nach Neunkirchen kamen, um teils aus aktuellem, teils aus älterem Material vorzulesen.

1.) Bernd Perplies – Magierdämmerung

Den Anfang machte hierbei Bernd Perplies. Der Autor aus dem sog. Gaslight-Genre, Übersetzer und Journalist trug aus seiner aktuellen Magierdämmerung-Trilogie vor, die mit dem 3. Band “In den Abgrund” im September 2011 beendet werden wird.

Dass Perplies Erfahrung im Vortrag vor Publikum hatte, merkte man schnell. Souverän trug er die Geschichte um einen naiven Journalisten vor, der im London des 19. Jahrhunderts in eine magische Parallelwelt eingeführt wird. Die Story wirkte recht nett, riss aber sichtlich niemanden vom Hocker. Perplies erzählte viel Vorgeschichte, aber wenig Fantasy. Eine mystisch umherwandernde Teekanne als Highlight?! Nunja…das geht bestimmt besser. Applaus gab’s trotzdem.

2.) Markus Heitz – Collector (genre: space opera/space fiction)

Es folgte der Auftritt des Lokalmatadors Markus Heitz. Der Homburger ist nicht nur den saarländischen Fantasyfans bekannt, räumte er in den vergangenen Jahren doch allerlei Genrepreise ab. Heitz lockerte mit geschicktem Wortwitz und allerlei Ironie erst einmal auf, bevor er sich “Collector” widmete. Das Publikum musste einen Zeitsprung ins Jahr 3000 machen, in welchem eine fremde rasse (Außerirdische ?) vorgeben, die “schützenswerte bedrohte Rasse Mensch” schützen zu wollen und das mit allen Mitteln. Hintergrund des ganzen soll ein kritischer blick  auf den Naturschutz um jeden Preis sein. Und hierbei zeigt sich die Kunst von Heitz. Seine Storys können noch so spacy sein, sie haben stets einen realen Kern. Super Vortrag, super Geschichte, absolut empfehlenswert!

3.) Moe Hackett – Das Gemälde des Schreckens (Laien-Hörspiel)

Die große Überraschung des Abends bildete das Laienhörspiel Moe Hackett – Das Gemälde des Schreckens. “Für das Hörspiel “Moe Hackett” wurden sämtliche Rollen und Musiker über Twitter und Facebook gesucht und innerhalb eines halben Tages voll besetzt. Keiner der Beteiligten macht professionell Hörspiele.” (zu lesen auf www.moe-hackett.de). Zwar wurde deutlich, dass hier wirkliche Laien am Werk waren, aber dennoch: Großes Lob für diese Darstellung. Toll, dass es immer noch Fans gibt, die in ihrer Freizeit am Ball bleiben. Das Hörspiel gibt es kostenlos zum Download.

4. Ju Honisch – Jenseits des Karussells (genre: filk (folk&fiktion)/steam punk)

Die einzige weibliche Leserin des Abends las aus “Jenseits des Karussels”. Die Story um eine Art Spinnenmonster wirkte dem Grunde nach sehr spannend und machte Lust auf mehr. Einzig und allein die Vortragsweise der Autorin lies das ein oder andere Mal Gänsehaut entstehen, wirkte der Vortrag doch sehr quietschig im Falle des Spinnenparts. Das kann man Ju Honisch aber auch nicht verübeln. Sie lebt ihre Figuren auch auf der Bühne aus, sodass sie sicherlich bewusst das Schmunzeln des Publikums suchte.

5. Wolfgang Hohlbein – Infinity

Zum Schluss betrat DER deutsche Fantasy-Autor schlechthin die Bühne: Wolfgang Hohlbein, seit über 30 Jahren im Genre verankert, präsentiere seinen aktuellen Roman “Infinity”. Keine leichte Kost, was Hohlbein da bot, aber die hätte man von ihm auch nicht erwartet. Hohlbeins Zukunfts-Fantasy-Thriller sorgte für manch verstimmten Blick, was der Autor sichtlich beabsichtigte. Das besondere an Hohlbeins Werken: Man darf, nein man muss, sie mehrmals lesen, um wirklich irgendeinen Background zu finden. Manch einer sehnt sich sicherlich zu Hohlbeins Karriereanfang zurück, in denen er – im Verhältnis – seichte Indiana Jones Romane verfasste. Anderen kann Hohlbein nicht spacy genug sein…

Fazit der Fantasy Nächte: Die Kulturgesellschaft Neunkirchen hat wieder einmal einen Bombenveranstaltung erschaffen. Das Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz besetzt, keinem wurde langweilig und jeder würde wieder kommen! Faszinierend ist vor allem, dass es gelungen ist, wirkliche Meister des Genres zu engagieren. Wir freuen uns schon auf die nächste…

www.nk-naechte.de

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Ein Gedanke zu „Kritik: Fantasy Nächte, 22.07.2011, Bürgerhaus Neunkirchen“

  1. Toller Beitrag! Der Abend war mehr als genial und die Atmosphäre war absolut fantasywürdig 🙂 Die Autorenauswahl war zum Niedenknien gut und ich freu mich ebenfalls schon unglaublich auf die nächste Fantasynacht in Neunkirchen! Daumen hoch!

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