Kritik: Dieter Nuhr – “Nuhr die Ruhe”, 10.12.2010, Saarlandhalle Saarbrücken

Mit seinem neuen Programm bleibt Dieter Nuhr sich treu.

Er muss weder über seine Freundin kalauern und dabei die volle Bühnenbreite ausnutzen, noch mit auffallender Kleidung (ob rosa Anzug oder Strickpulli) imponieren oder durch einen speziellen Vortragsstil um die Gunst des Publikums buhlen. Nein, er kann auch einfach so mit einem schwarzen Vorhang, einem kleinen Tisch und dem unweigerliche T-Shirt zur Tour die Saarlandhalle bis auf den letzten Platz füllen. Einfach so ? Na ja, sooo einfach ist es nun auch wieder nicht. Es ist nicht das „wie“ sondern das „was“ er erzählt, das die Massen antreibt. Mit seiner unnachahmlichen Art (man erkennt dies auch daran, dass er kaum von Kollegen imitiert wird) erläutert er dem erstaunten Publikum, was man von einer, nämlich unserer Kultur erwarten kann, die sich aus dem römischen, griechischen und christlichen Recht zusammensetzt, also aus Sklavenhaltung, Korruption und Inquisition. Spielend stellt er die Verbindung zwischen dem nur in einer Tonne lebenden griechischen Denker Diogenes und dem Griechenland von heute dar. Oder zieht Vergleiche zwischen den Führern der Weltmächte, die von den Enthüllungen der Wikileaks-Brüderschaft betroffen sind. Während man z.B. Putin also jeden Sommer oben ohne auf einem Pferd reiten sieht, muss man sich das in Deutschland ja nicht unbedingt vorstellen. Getreu dem Motto des Abends „Nuhr die Ruhe“ werden auch die Krisen und Panikwellen der letzten Jahre betrachtet, vom Waldsterben der 70er und 80er über die Atombewegung nach Tschernobyl bis hin zu Vogel- und Schweinegrippe in der heutigen Zeit. Da wünschen wir uns doch alle ein bisschen von dieser Ruhe. Aber sagen Sie bitte nicht (weiter), dass Sie keine Angst haben, denn schließlich sind Sie Deutsche(r) und damit von Angst umgeben. Wie stets in seinen Programmen verzichtet er auf eine Zugabe und gibt stattdessen dem Publikum die Gelegenheit, Fragen an ihn zu stellen. Zu guter Letzt präsentiert er auf sehr
charmante Weise noch sein neuestes Werk, eh er die große Bühne verlässt, um an seinem
Stand den Fans Autogramme zu schreiben und Signierungen vorzunehmen. Bei Dieter Nuhr hat man einfach mal die Ruhe, um über das Gesagte nachzudenken. Damit hebt er sich sehr angenehm vom Zeitgeist ab und avanciert dadurch nebenbei zu einem der wichtigsten Vertreter der inländischen Comedy-Szene, wie sich auch unschwer an seiner Medienpräsenz ablesen lässt. Es gibt also „Nuhr Gutes“ zu berichten !

Künstlerhomepage: www.nuhr.de

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