Konzertkritik: WINGENGELDER – “Kleine Akustiktour 2015”, 19.01.2015, Café Hahn Koblenz

20150119_211625

Wingenfelder zu Gast auf der MS Waltraud – Die Ex-Fury-Frontmänner begeistern auf ihrer Akustiktour

Fans saftiger Rockmusik halten im Allgemeinen nichts von Konzertbestuhlung. Ich auch nicht. Nicht nur, dass die Stimmung dadurch erheblich flöten geht; sie nimmt auch verdammt viel Platz weg. So war das Ganze im Koblenzer Café Hahn auch nicht sonderlich anders. Zu den ehe schon zu vielen Stühlen stellte der Veranstalter auch noch kleine Tischchen, sodass man sich – wie Thorsten Wingenfelder schnell anmerkte – eher wie im Bankettsaal auf einem Schiff vorkam. Hinter den Stühlen war das Gedränge dann umso dichter, statteten doch 2 der größten deutschen Rockmusiker dem kleinen Klub einen Besuch ab: Kai & Thorsten Wingenfelder, ehemals Köpfe der Rockband Fury in the Slaughterhouse, sind seit 2010 mit eigener Band auf Tour. Die Texte sind mittlerweile meist auf deutsch, der Auftritt der beiden jedoch von jeher extrem bodenständig. Starallüren sucht man hier vergebens; sie haben halt Bock, auf das, was sie machen. Begleitet wurden sie von Norman Keil an der Gitarre, der auch festes Mitglied der Wingenfelder-Band ist.

Das Set beinhaltete v.a. Songs des aktuellen Albums “Selbstauslöser”, die im akustischen Gewand teils noch persönlicher klingen. Bejubelt wurden v.a. die den meisten Zuschauern bereits wohlbekannten Songs “Die Wand” (eine absolut unkitschige Ballade) und “Klassenfahrt”. Ältere Wingenfelder-Songs wie “Revolution” und “Perfekt” gehörten auch – wie eigentlich immer – auf die Setlist. Dass die Brüder ihre Fury-Vergangenheit nicht verleugnen, ist nichts neues, sodass natürlich auch “Won’t forget these Days”, “Time to wonder” und “When I’m dead and gone” nicht fehlen durften. Thorsten überraschte zudem mit der Darbietung der Fury-Ballade “Then she said”, die – so erzählte Kai – von einem Hochzeitspaar als Tanzlied verwendet wurde, obwohl kein Mensch darauf tanzen kann – nicht mal Grönemeyer. Norman ist neben den Brüdern ebenfalls als Singer/Songwriter tätig. Sein Song “Spring in die Nacht” (ein Song zum Mauerfall) wurde ebenso dargeboten, wie ein neuer Wingenfelder-Song (dessen Namen ich zugegebenermaßen vergessen habe, der jedoch aufm neuen Album erscheinen wird).

Neben den Songs sind Kai & Thorsten für allerlei Gags bekannt. Beide haben immer einen schlechten Witz oder dämlichen Spruch auf den Lippen. Der Zugabenteil wurde daher auch damit eingeleitet, dass sich die Band “Michael Wendler”-Nikolausmützen aufsetzte, um diesem großen Musiker auch eine Hommage zu widmen. Allerdings griff man Kais Vorschlag “Oben am Wendlerhammer” oder “Time to Wendler” zu spielen, nicht sonderlich auf. Zudem präsentierte Kai noch übrig gebliebene Silvesterböller, die “die größte Verarsche seit meiner Geburt” (Kai) sind, denn als er sie anzüdete, musste er zur Verstärkung der Knalleffekts noch das Mikro zur Hilfe nehmen. Pyrotechnik aufm Wingenfelder-Akustik-Konzert: Ein Traum!

2,5h später war das Konzert vorbei und jeder einzelne hellauf begeistert. Kai & Thorsten standen wie immer für ein Bier und Gespräche bereit. So etwas findet man heute noch selten.

Wingenfelder-Konzis sind immer ein Besuch wert!

Bandhomepage: www.wingenfelder.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.