Konzertkritik: Santiano – “Sailing Home for Christmas”-Tour 2014, 06.12.2014, Arena Trier

PR_5_Santiano_2013.indd

Die Seemannsrocker schippern an Weihnachten nach Hause – jedoch nicht, bevor noch mal ordentlich die Sau rausgelassen wird

Segel hoch, volle Fahrt, Santiano – Der “Gründungssong” der Band dürfte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Umso verwunderlich ist es, dass ihn die Band immer noch frenetisch auf jedem Konzert 2x abfeiert. So auch beim gestrigen Konzert in der Trierer Arena auf der Jahresabschlusstour 2014. “Mit den Gezeiten” heißt das 2. Erfolgsalbum, mit dem die Band nun knapp 2 Jahre durch die Lande segelte. Shantys, gepaart mit saftigem Rock: Das ist das Erfolgsrezept dieser Band, die sich eher aus einer Schnapslaune heraus gründete. Keiner vermutete, dass sich ein derartiger Erfolg einstellte.

Das Konzert begann – wie eigentlich schon immer – mit einer lauten Schiffströte, ehe ein Intro die Band angekündigte, die mit “Gott muss ein Seemann sein” gleich ordentlich los legte. Die Segelrichtung war klar: Heute muss die Sau fliegen. Die Band spielte sich durch “Bis ans Ende der Welt” und “Mit den Gezeiten” durch; die Setlist ließ keine Wünsche offen. Neben “Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren” und “Es gibt nur Wasser”, das in einer gefühlten 10 Minuten-Version gespielt wurde, gefielen v.a. der Songbeitrag zum Eurovision Song Contest “The Fiddler on the Deck”, sowie die bislang nur als Bonus veröffentlichte irische Ballade “Molly Mallone”. Björn Both, Kapitän und Sänger, ließ es sich auch dieses Mal nicht nehmen, allerlei Anekdoten preiszugeben. Als am Ende von “Seemann” eine Kanone abgefeuert wurde, erschrak er selbst, was er jedoch damit entschuldigte, dass die Band zum Mittagessen Kohlsuppe hatte und daher nun merkwürdige Gerüche und Geräusche auf der Bühne zu vernehmen wären. Im Zwischenteil durfte auch ein obligatorische Ballade nicht fehlen. Man entschied sich für “Weit über’s Meer”, dieses Mal stimmlich unterstützt von Elfenpop-Prinzessin Oonagh, alias Senta-Sofia Delliponti, deren Stimme mir einfach zu dünn ist. In der Studioversion und auch der davorgehenden Livetour wurde der Part von Synje Norland übernommen, die weitaus kräftiger singt.

Leider war auch dieses Mal eine Vollbestuhlung der Halle vorgesehen. Ich habe noch nie verstanden, warum die Veranstalter dies bei dieser Band so rigoros durchziehen. Erstens sitzt spätestens bei der 2. Nummer niemand mehr und zweitens vermeidet man so unnötigen Krach. So konnten wir live erleben, wie sich ein gestandener Herr pausenlos bei seiner stehenden Vorderreihe beschwerte, er würde nichts sehen. Sitzplätze meinetwegen an die Seite, Innenraum unbestuhlt…es könnte so einfach sein. Naja, vielleicht auf der nächsten Tour.

Der Stimmung schadete dies jedoch keineswegs. Nach 2h saftigem Seemannsrock verabschiedete die Band die Zuschauer in die Weihnachtszeit. Nächstes Jahr sehen wir uns in Saarbrücken.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.