Konzertkritik: SAARLAND Oldie Night, 25.06.2011, Saarlandhalle Saarbrücken

Oldies but Goldies? Leider nein! Nur wenige der gestrigen Künstler sind auch heute noch bühnentauglich

Oldie Festivals sind an sich etwas feines: Die Älteren werden in ihre Jugendzeit zurück versetzt, die Jüngeren erleben Bands von damals einmal live und können sich ihren persönlichen Eindruck verschaffen, ob die Mucke von heute wirklich besser ist, als die von damals.

Auf den gestrigen Abend bezogen muss man dies leider befürworten.

Im Einzelnen: Moderiert wurde das gestrige Oldiefestival, veranstaltet von den SAARLAND Versicherungen zu ihrem 60. Geburtstag, von den Moderationskoryphäen Manfred Sexauer (“Musikladen”) und Uschi Nerke (“Beat-Club”). Beide sind lange lange im Geschäft. Und dennoch lieferte v.a. Manfred Sexauer eine sehr amateurhafte Vorstellung. Er wirkte absolut unvorbereitet, wusste Umbaupausen nur mit Mühe und Not durch Anekdoten von früher zu überspielen, sagte Bands falsch an und wirkte in vielen Situationen schlicht überfordert. Anders Uschi Nerke: Bei ihr merkte man, dass sie auch heute noch in der Radiowelt aktiv ist. Zwar beschränkte sich auch ihre Moderation eher auf Kalauer und lustige Anekdoten aus den 60ern, dennoch wirkte sie abgeklärter und vorbereitet.

Eröffnet wurde der Abend von zwei Vorbands, den Rollabouts und Take Five. Während sich die Rollabouts durchaus gekonnt durch die klassische Elvis-RocknRoll-Phase spielten und auch gesangstechnisch durchaus jeden Elvis-Contest mühelos bestreiten könnten, handelte es sich bei Take Five um eine klassische Oldiecoverband, wie es sie zu tausenden auf jeder Kirmes gibt. Gespickt mit billigen Synthies und Halligalliversionen von zB “Que sera sera” brachten sie ein gewisses Ballermannfeeling in die Saarlandhalle. Leider hob sich ihr Programm nicht wirklich von dem anderer Bands dieser Art ab: “Sweet Caroline”, besagtes “Que sera sera”, “Er gehört zu mir”, … alles schon einmal gehört und genauso unspektakulär.

Bei den wirklichen Oldiebands an diesem Abend machten Marmalade den Anfang. Gesanglich Geschmacksache, aber dennoch verstanden die vier Herren ihr Handwerk; die Stimmung unter den Zuhörern war gut und als dann ihre beiden größten Hits “Reflections of My Life” und der Beatles-Coverhit “Ob-La-Di Ob-La-Da” erklungen waren, durfte sich die Band auch auf ihr vorher schon besagtes Feierabendbier freuen.

Enttäuschung des Abends war zweifellos der nachfolgende Auftritt von Pussycat. Schlimm genug, dass man einem Publikum, dass mit Gitarrenmucke groß wurde, Halbplayback vorsetzt. Was die letzte der Pussycat-Schwestern, Tonny Willé (hält seit einigen Jahren den Bandnamen alleine über Wasser) allerdings da stimmlich bot, war eine Zumutung. Den Background bildete ihre Tochter und – so hatte man den Eindruck – deren beste Freundin, die gerade an diesem Abend Zeit hatten. Dementsprechend reagierte das Publikum, das sich auf Anstandsapplaus beschränkte. Sogar ihr großer Hit “Mississippi” wurde lieblos heruntergenölt; Frau Willé schien sich nicht unbedingt auf den gestrigen Abend gefreut zu haben.

Dies schienen auch die im Anschluss spielenden Lords gemerkt zu haben. Die Band um Gitarrist Leo Lietz zog den Karren sozusagen aus dem Dreck und war die einzige Band des gestrigen Abends, die heute noch salonfähig ist und problemlos eine erfolgreiche Tour abliefern könnte. Geradliniger gute Laune Rock wurde da geboten, gespickt mit allerlei Hits aus ihrer langen Erfolgsgeschichte: Gloryland und Poor Boy wurden enthusiastisch mitgesungen und als sich die Band nach dem Erklingen des letztgenannten Songs verabschieden wollten, forderte das gerade eingerockte Publikum eine Zugabe (es musste ja auch vorher viel erdulden). Die Band ließ sich nicht lange bitten und verabschiedete sich nochmals mit einem Rock’n’Roll Medley, bestehend aus großen Hits der 60er und 70er.

Eine wiederum missglückte Sexauer’sche Überleitung später (“Er kann noch nicht auftreten, die da hinten müssen erst abbauen, könnt ihr euch nicht mal beeilen?!”) betrat Ted Herold die Bühne, angekündigt als Mann, der den Rock’n’Roll lebt wie kein anderer. Das Resultat war: Halbplayback! Und das von einem Rock’n’Roller! Sowas hätte ein Peter Kraus wohl eher nicht mitgemacht. Gerade im Vergleich dieser beiden Künstler ist zu sehen, wer heute wirklich noch auf der Bühne stehen sollte.

Abgerundet wurde der Abend schließlich mit den Equals, die mit ihrem Hit “Baby come back” nochmals die Halle zum Mitklatschen brachte.

 

Fazit: Diese Oldienight hat gezeigt: Es gibt Oldiebands und Oldiekünstler, die einfach auf der großen Bühne nichts mehr zu suchen haben und zurecht – wenn überhaupt – nur noch bei Möbelhauseinweihungen auftreten sollten. Dass es aber auch anders geht, zeigen Bands und Künstler wie Status Quo, The Who, John Fogerty usw., die heute noch Massen anziehen und professionelle Bühnenshows bieten. Schade, dass die SAARLAND Versicherungen dieses Mal nur mit den Lords einen Volltreffer landen konnten. Dennoch: Das Publikum hatte wohl seinen Spaß, man konnte in Erinnerungen schwelgen und das Bier war auch kühl genug. Insofern war es – zumindest für die musikalisch Anspruchslosen – ein gelungener Abend

5 Gedanken zu „Konzertkritik: SAARLAND Oldie Night, 25.06.2011, Saarlandhalle Saarbrücken“

  1. Die Stimmung war zwar gut unter den Leuten, aber ich teile die Meinung des Schreibers. Die Vorbands waren okay, Marmelade war gut, aber Lieder kannte ich kaum – Pussycat war lustlos, The Lords waren ganz gut, Ted Herold war ganz übel (ziemlicher Schwätzer und meint, er wär der Größte) – man merkte es auch, da das Publikum zur Zugabe fast gezwungen werden musste. Und die Equals kamen erst nach halb eins auf der Bühne – da ging die Hälfte schon halbschlafend heim. Kein Wunder, war die Veranstaltung doch nur teilbestuhl und besonders das stehende Publikum war nach über sieben Stunden einfach platt. Wieso kann man eine “Oldie Night”, zu der vom Namen her schon hauptsächlich älteres Publikum eingeplant werden muss, nur teilbestuhlen?

    Zusammenfassend:
    + Sound
    + The Lords
    + The Rollabouts

    – Manfred Sexauers schlimme Aussetzer
    – Halbplayback von Pussycat
    – Ted Herolds eitle Show
    – wenige Sitzplätze

  2. Kurze Zusammenfassung mit + bzw. – Wertung:
    ———————
    + Rollabouts
    + Lords
    + Equals
    ———————
    – die Konzertkritik von Patrick: etwas mehr Differenzierung wäre angebracht; bezüglich Manfred Sexauer: schließlich ist er schon über 80 Jahre alt; also: entweder sollte man ihn nicht mehr engagieren oder aber – wenn man sich unter das Publikum mischt – einem über 8o-jährigen einige Fehler nachsehen.
    – Pussycat – hätte man nicht engagieren sollen
    – die Programmabfolge, die eine der besten Bands an den Schluss setzt (=Equals); als Ausklang nimmt man Bands/Solokünstler aus der 2. Reihe – hier also: Ted Herold oder Pussycat
    ———————
    alles andere (Uschi = über 60 Jahre alt; Take Five; M. Sexauer; Ted Herold; Pusycat; Kostüme und Prämierung, etc.) so, wie es halt in der Provinz = Saarbrücken üblich ist; schließlich sind wir in Saarbrücken bzw. im Saarland nicht in einer Millionenmetropole; jegliche Vergleiche mit Madrid, Rom, Paris, Berlin, Hamburg, München wären fehl am Platze: Provinz bleibt Provinz.

  3. Bin 2016 mit meinem Mann zu 2 Veranstaltungen mit der Sängerin Toni Willé von Pussycat gewesen. Wir waren total begeistert von ihr! Sie hat auch immer noch diese supertolle Stimme! Sie ist eine von wenigen Sängerinnen, die auch live wirklich toll klingen. Aber auch die ganze Performance und wie sie mit dem Publikum umgeht, ist wirklich super.
    Kenne inzwischen auch sehr viele YouTube-Aufnahmen von ihr, wo sie ebenfalls wirklich super ist; macht sie wirklich ganz toll.
    Finde ich unmöglich, so einen Quatsch zu schreiben über diese wirklich tolle Sängerin!
    Habe diesen Artikel erst jetzt gelesen; daher auch erst jetzt mein Kommentar dazu.
    Frage mich echt, was das soll, irgendwelche Sänger schlecht zu machen, nur weil man sie scheinbar nicht mag.

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