Konzertkritik: Rock meets Classic, 11.03.2013, Saarlandhalle Saarbrücken

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Rockstars feiern mit klassischem Orchester. Rockt das? – Und wie das rockt…

Als das Licht in der ausverkauften Saarlandhalle erlischt und die geschätzten 40-50 orchestralen Musiker die Bühne betreten, kommt man sich schon irgendwie am falschen Platz vor. Dieses Gefühl verschwindet jedoch, als auch die ersten Musiker der Mat Sinner Band, ihres Zeichen im Heavy Metal angesiedelt, die Bühne betreten. Es ist schon ein eigenartiges Bild. Hinten die feinen orchestralen Musiker, vorne die langhaariger Metaller.

Dass sich die beiden musikalischen Stilrichtungen aber keineswegs ausschließen, wurde in Saarbrücken eifrig demonstriert. Kleiner trauriger Moment für die angereisten Manfred Mann’s Earth Band Fans: Chris Thompson konnte krankheitsbedingt nicht auftreten.
So startete der Abend mit Steve Augeri, 10 Jahre lang Sänger von Journey. Leicht piepsend bot er Klassiker wie “Wheels in the Sky” und “Don’t stop Believing” war, wobei gerade letztgenannter zum eifrigen Mitsummen unter den Zuhörern zu vernehmen war. Es ist halt ein Ohrwurm. Die Songs hoben sich mit klassischer Begleitung wenig vom Original ab, was dem Gehör auch zugute kam. Man war schließlich wegen den Klassikern da; nicht wegen abgedrehten Variationen.

Im Anschluss kam Eric Bazilian, Frontmann der amerikanischen Folkrocker “The Hooters”, die im Sommer in Deutschland auf Tour sein werden. Dass Bazilian ein Meister seines Fachs ist und bereits mit den ersten Klängen von “All you Zombies” und “Johnny B” die Hörer im Bann hatte, muss ich nicht erwähnen. Er bestand jedoch darauf, dass das eigentlich sitzende Publikum während dem Großteil seines Auftritts stehen sollte. Und das war auch richtig so. Ich hab nie verstanden, wie man ein Rockkonzert bestuhlen kann. Das ist ein Widerspruch in sich.

Es folgte der Special Guest des Abends, Bonnie Tylor, die mich persönlich ein wenig enttäuschte. Stimmlich wirkte sie absolut nicht mehr auf der Höhe und hatte v.a. bei ihrem Klassiker “Total Eclipse of the Heart” Mühe gegen die lauten Gitarren und das Orchester anzusingen. Die Stimme versagte hierbei oft, meist kam noch ein Röcheln raus. Auch hatte sie nach den Songs sichtlich die ein oder andere längere Atempause nötig. Ok, sie ist 61, aber sie tritt immerhin auch demnächst für England beim Eurovision Song Contest an. Ob das was wird!? Dem Publikum war’s egal: “Simply the Best” und “Holding out for a Hero” wurden gefeiert, als hätte Tylor sie gerade erst veröffentlicht.

Den Schlusspunkt des Abends und zudem als Headliner angekündigt bildete Paul Rodgers, ehemals Sänger von Free und Bad Company. “All right now” wurde gefühlte 10 Minuten mit allen Protagonisten dargeboten. Rodgers war fit und hatte sichtlich Spaß, wirkte jedoch einen Tick zu routiniert und eingespielt. Sei’s drum. Gerockt hat er trotzdem.

Fazit: Ein etwas ungewöhnlicher Rockabend. Es war und ist immer noch kaum zu glauben, dass ein Orchester einen solchen Wumms erzeugen kann und jede Rockband aufwerten kann. Sicher, mancher Song ist jetzt nicht unbedingt klassikkompatibel, aber wenn sich eine röhrende Trompete unter eine E-Gitarre legt und die Saarlandhalle lautstark “All riiiiiiiiight now” grölt, dann hat man alles richtig gemacht. Wir freuen uns auf die nächste Tour!

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