Konzertkritik: Oldiemarathon Trier, 18.05.2012, Arena Trier

Und wieder wurde die allseits beliebte Weisheit “Oldies but Goldies” bestätigt…meistens!

“Oldiemarathon Trier – Die Hit auf Hit-Party” hieß es am vergangenen Freitag, 18.05.2012, in Trier. 7 große Künstler und Bands der 60er und 70er Jahre gaben sich die Ehre und boten der gut gefüllten Arena ein Highlight an Best of-Programmen. Stargast des Abends war Heino, der sich wohl mal anschauen wollte, wie das so ist, mit knapp 70 Jahren noch auf der Bühne zu stehen, zu rocken und nicht in Schunkelstarre zu verfallen. Er sollte die meiste Zeit beeindruckt werden. Leider führte – entgegen der Ankünding – nicht Björn Hergen-Schimpf durchs Programm sondern 2 absolut schlechte Radiomoderatoren, deren Witze sich unter Fips Asmussen-Niveau bewegten und sämtliche Spontanität vermissen ließen. Man wurde an die ein oder andere Daily Soap erinnert. Dies sollte jedoch der ansonsten hohen Qualität des Marathons keinen Schaden zufügen.

Den Auftakt machte die schottische Rockband Middle of the Road, leider ohne die Originalsängerin Sally Carr. Um den Bandnamen herrscht seit einigen Jahren Streit. Während eine Hälfte der Originalformation als “Middle of the Road feat. Sally Carr” auftritt, gibt’s eben noch Middle of the Road ohne Sally Carr, dafür mit dem ehemaligen Originalgitarrist Ian McCredie. Die Band hatte einen schweren Auftakt und schaffte es nicht wirklich, den Zuschauern einzuheizen. Zwar wurde die Stimmung von Song zu Song besser und auch die Stimme der Sängerin Lorraine Feldberg überzeugte, dennoch musste das Programm, zu welchem selbstverständlich die Hits “Chirpy Chirpy Cheep Cheep”, “Samson and Delilah”, “Soley Soley” und “Sacramento” gehörten durch unnötige Coverversionen von Abbas “Gimme gimme gimme” und Dusty Springfields “Son of a Preacher Man” gestreckt werden. Middle of the Road braucht einfach Sally Carr.

Weiter ging’s mit der holländischen Formation Pussycat, einer der schwächeren Acts des Abends. Die ehemalige Band besteht seit einigen Jahren nur noch aus der Frontfrau Tonny Willé, die nunmehr ihre Tochter und Stieftochter mit auf die Bühne brachte und zum Halbplayback u.a. die Pussycat-Hits “Teenage Queenie”, “Mississippi” und “Smile” darbrachte. Willé schien stimmlich nicht auf der Höhe, der Vergleich zum vergeigten Auftritt im Rahmen der SAARLAND Oldie Night im vergangenen Jahr drängte sich geradezu auf. Die Ansagen der Songs bestanden aus dem Nennen der Jahreszahl, in dem der Song veröffentlicht wurde. Das ging auch schon mal besser…

Doch Gott sei Dank folgt nach dem Regen immer die Sonne. Eine der wohl populärsten Bands der späten 60er, The Tremeloes enterten die Bühne. Das Publikum schien sich auf ordentliche Gitarrenmucke gefreut zu haben. Angeführt vom Basser und Sänger Chip Hawkes rissen die Tremeloes das Publikum von der ersten Minute an mit. Frenetisch wurde mitgesungen und erstmals auch in Scharen vor der Bühne gatanzt. Chip Hawkes war stimmlich in Höchstform. Kracher wie “Number One”, “Angel of the Morning”, “Twist and Shout” oder der Überhit “Silence is golden” waren nur die Höhepunkte des sehr ausgeglichenen Sets, das keinerlei unbekannte Songs darbrachte. Eine Band in Topform!

Es folgte ein auf Oldiefestivals Altbekannter: Chris Andrews, dessen Karriere wohl nach eigener Vorstellung hätte anders verlaufen müssen. Klar, Chris Andrews spielte seine Hits “Pretty Belinda” und “Yesterday Man”; und dennoch zeigte Chris, dass er sich eigentlich im Rock’n’Roll wohl fühlt. Kurzerhand in Lederjacke und schwarze Brille gepresst, präsentiere er dem Publikum auch Songs seines Idols Buddy Holly. Immer noch ne klasse Stimme, immer noch feiner britischer Humor (“Ich singe Vollplayback auch besser als mit Halbplayback”) und ein Stimmungsgarant.

Nun war es jedoch Zeit für den Headliner des Abends: The Sweet, angeführt von Originalgitarrist Andy Scott, eroberten mit “Hellraiser” die Bühne. War die Band in den 70ern sozusagen die Schöpfung des Glamrock, wurzelt The Sweet heute eher im sehr saftigen Rock, teilweise gar mit Ausflügen in den Hardrockbereich. Erwähnenswert war vor allem, dass The Sweet heute noch auf sehr hohem Niveau spielen, was weitaus über dem eines Oldiefestivals liegt. Die Band ist unproblematisch tourfähig, sowohl musikalisch, als auch stimmlich. Hits haben sie genug: “The six Teens”, “Wig Wam Bam”, “Little Willy”, “Teenage Rampage”, das mit einem Gitarrensolo untermauerte “Love is like Oxygen”, die Überhits “Blockbuster”, “Fox on the Run” und “Ballroom Blitz”, sowie “Action” und die neue Nummer “New York Groove” bildeten die Setlist, die The Sweet an diesem Abend abfeuerte. Pete Lincoln am Mikro ist ein würdiger Nachfolger Brian Conollys. Ich würde mir die Band auf einer ausgedehnten Tour wünschen. Es wäre ein Fest!

Nach 70er Glamrock wurden die Zuschauer nun durch Boney M. mit Originalsängerin Liz Mitchell in die Discozeit zurückversetzt. Sämtliche großen 70er Jahre Hits (“Sunny”, “Rivers of Babylon”, “Ma Baker”, “Rasputin”, und und und) der Disco-Band wurden im modernen Beat-Gewand souverän abgeliefert. Liz Mitchell hat über die Jahre nichts von ihrer warmherzigen und sympathischen Stimme verloren. So war es kein Wunder, dass sämtliche Songs ausgelassen mitbetanzt und -besungen wurden.

Den Abschluss des Festivals bildeten Smokie, die 70er Schmalzbarden, leider ohne Chris Norman am Mikrofon. Der Smokie-Auftritt konnte zwiespältig gesehen werden. Sicherlich hat die Band ihre Hits. Schon beim Aufrufen des Bandnamens möchte man neben Alice wohnen. Aber wenn der Frontmann fehlt, der den Songs ihren Charakter gegeben hat, ist ein Auftritt eben nur noch halb so schön.

Fazit: Mit einem sehr fairen Eintrittspreis von um die 30 Euro haben die Veranstalter ein super Line-Up auf die Bühne gestellt. Viele der Künstler sind heute absolut noch bühnentauglich. Dass Oldieshows heute noch gefragt sind, zeigte der große Besucherandrang. Wir freuen uns schon aufs nächste Festival.

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