Konzertkritik: Deep Purple – “40 Years in Rock”-Tour 2010, 13.11.2010, Arena Trier

Welche Qualitäten muss eine gute Vorband mitbringen? Gut ist, wenn sie halbwegs bekannt ist. Das trifft auf Marillion schon mal zu (One-Hit-Wonder aus den 1980ern mit “Kayleigh”) . Auch sollte sie musikalisch zum Hauptact passen. Bezieht man dies auf die musikalische Epoche, so lag man mit der Auswahl auch nicht allzu schlecht. Bezieht’s man auf die Musik selber, kann man schon einmal drüber grübeln. Marillion arbeiten sehr athmosphärisch und verträumt und daher auch leider: Langsam! Und damit sind wir schon bei der dritten Eigenschaft einer guten Vorband. Sie soll einheizen. Genau das gelang Marillion aber nicht. Woran es lag, lässt sich nur vermuten. Denkbar wäre, dass es eben daran liegt, dass Kayleigh gleich am Anfang verschossen wurde und der Rest ziemlich unbekanntes Gedümpel war. Möglicherweise lags aber auch einfach daran, dass Marillion nicht kracht. Träumerisches Spährenrock mag ja für die Romantiker unter uns ganz toll sein; als Einheizer für eine der bekanntesten Rockbands der 70er, Deep Purple, aber waren sie leider fehlbesetzt. So blieb es auch größtenteils beim Anstandsapplaus, den die Band, die 45 Minuten spielte erhielt.

Deep Purple, der Hauptact des gestrigen Abends, schienen sich an ihren Vorreitern anfangs angesteckt zu haben. In den ersten Minuten hatte die Band sichtlich Mühe, das Publikum anzufeuern. Dies lag zum einen am sehr statischen Spielen der Band in den ersten Minuten (die Musiker standen mehr oder weniger bewegungslos auf ihren Plätzen), als auch daran, dass Sänger Ian Gillan sich vielleicht an ein paar Höhen zu viel versuchte und über ein Krächzen nicht hinauskam (sie sind halt auch nicht mehr die Jüngsten). Erst nach und nach bessere sich das Spiel der Band. Rockigere, schnellere Nummern wurden angespielt und sorgten nun endlich für ein Mitwippen der Fans. Endlich zeigten sich auch einige textsicher. Kennzeichnend für die Musik von Deep Purple sind nicht nur scheinbar unzählige Gitarrensoli von Gitarrist Steve Morse, sondern auch die Hammondorgel, an der sich Don Airey austoben durfte. Beide bekamen des öfteren Szenenapplaus und bewiesen, dass Deep Purple in ihrer Zeit einiges an Bühnenerfahrung angesammelt haben. Airey schaffte es gar, zwischenzeitlich die deutsche Nationalhymne anzuspielen.
Spätestens als die ersten Accorde von der Deep Purple Hymne “Smoke on the Water” angespielt wurden, gab es kein Halten mehr. Warum die Band fast bis zum Schluss auf diesen Höhepunkt wartete, bleibt unklar. Auch, warum man gänzlich auf den zweiten großen Hit “Child in Time” verzichtete. Mit “Hush” und “Black Night” wurde das Konzert schließlich abgerundet.

Fazit: Ob es ein gutes oder ein schlechtes Konzert der Band war? Keine Ahnung! Uns wunderte jedenfalls der verhaltene Beginn der Band. Nichtsdestotrotz war es alles in allem ein solides Rockkonzert, das sowohl für Headbangen, als auch für die ein oder andere Anekdote von früher sorgte.

[avhamazon asin=B000005RQT linktype=text]Deep Purple – Best of bei amazon.de[/avhamazon]

4 Gedanken zu „Konzertkritik: Deep Purple – “40 Years in Rock”-Tour 2010, 13.11.2010, Arena Trier“

  1. Guten Abend,

    jemand, der ein Deep Purple-Konzert rezensiert und auf das Fehlen von “Child In Time” hinweist, ist mit der Materie schlicht und einfach überfordert. Weiterer Kommentar überflüssig.

    Mit freundlichen Grüssen

  2. Jo, ich denk, der das geschrieben hat, war entweder gar net dabei oder ist ein Ignorant! Ich, Deep Purple Fan der ersten Stunde, habe die Band schon oft erleben dürfen, aber was gestern abging, hab ich seit Jahren vermisst. Spielfreude pur, und sie haben´s nun wirklich nicht nötig, Smoke on the water am Anfang zu spielen ( im Gegensatz zu Marillion, die ihr unsägliches Kayleigh schon als zweiten Titel präsentierten). Hab eigentlich nur Kopfschütteln für diese Kritik übrig! Die Fans, die gestern da waren, wissen wovon ich spreche!
    Rock On
    Harry

  3. Hallo,

    sind extra aus Bonn angereist und sind nicht enttäuscht worden.Ian Gillan stimmlich so gut wie lange nicht mehr und wenn man das Alter der “Herren” bedenkt, chapeau.
    Stimme den beiden Vorkommentaren zu, der Kritiker muss ein anderes Konzert gesehen und gehört haben. Das war richtig geile, “alte” Männermusik.

    Long live Rock’n Roll.

  4. Hallöchen,
    der Verfasser muss woanders gewesen sein oder so.Ich habe wie meine Vorkommentatoren ein ganz tolles Konzert erlebtIch persönlich fahre jedes Jahr einmal zu den Jungs. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, die Jungs haben richtig Spass. Es fehle an nichts. Manchmal dachte ich aufgrund der guten Stimme von Gillan vielleicht traut er sich und singt Child in time. Nochmals es war ein supergeiles Konzert und ich werde vielleicht noch nach Essen am 28.11.2010 fahren.
    Hoffentlich touren Sie noch ganz lange.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.