Konzertkritik: Astronautalis, 17.5.2013, Exhaus Trier

Ein sympathischer Schreihals aus Minnesota

Am Freitag gab es im Exhaus Hip Hop auf die Ohren. Doch wer bei Hip Hop nur an Aggro Berlin und Konsorten denkt, die hauptsächlich die vermeintliche enorme Größe ihres Geschlechtsorgans propagieren, dem sollte man mal Astronautalis vorspielen. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich der sympathische Hip Hopper Charles Andrew Bothwell, der momentan in Minnesota lebt. Eben dieser Interpret spielte nun also im Trierer Exhaus und bekam dabei Unterstützung von Tell aus Saarbrücken, die das Publikum auf das Konzert einstimmen sollten. Das Duo lieferte zusammen mit seinem DJ eine ordentliche Show ab, während der sie einige ihrer Songs zum Besten gaben, die allesamt auf Deutsch sind und zum Großteil sehr sozial-kritisch sind. Die Jungs bedienen sich dabei nicht an leeren Floskeln, sondern halten dem Zuhörer den Spiegel vor und fragen ihn, ob es wirklich das ist, was er will. Mir persönlich gefiel die Show ganz gut und der Applaus aus dem restlichen Publikum war eigentlich auch relativ laut, dennoch hatten sie wohl leider nicht den Geschmack aller Konzertbesucher getroffen.

Als Astronautalis schließlich die Bühne betrat, wurde der Raum auch sofort ordentlich voll. Bei dieser Tour wurde er außerdem zum ersten Mal von einer Band, bestehend aus Gitarre und Schlagzeug, unterstützt. Gleich zu Beginn legte er energetisch los und konnte so das Publikum direkt mitreißen und begeistern. Er schrie sich teilweise die Seele aus dem Leib und legte sich auch körperlich voll ins Zeug. Das Publikum dankte es ihm mit lautem Applaus und zeigte sich auch durchaus mitmach-freudig, darüber hinaus wurde, wo es nur ging mitgerappt und sich auch zaghaft zur Musik mitbewegt. Das alles in allem etwa anderthalb-stündige Set gab insgesamt einen guten Überblick über die bisherigen Alben und wurde zudem auch noch von zwei neuen Songs ergänzt, die ebenfalls sehr gut ankamen. Zwischendurch erzählte Astronautalis die ein oder andere Anekdote oder erklärte, worum sich die Songs handelten. Dabei verzichtete er auf übliche “Ihr seid das beste Publikum, das wir je hatten”-Schleimereien und wirkte so umso sympathischer und authentischer. Darüber hinaus gab das Zusammenspiel mit seiner Band den Songs zum Teil noch mal eine neue Qualität und Tiefe. Livemusik macht eben einfach doch mehr her als Musik aus der Konserve.

Alles in allem also ein tolles Hip Hop Konzert mit einem sehr sympathischen und dennoch energetischen Interpreten, den ich jedem, Hip Hop Fan oder nicht, nur wärmstens empfehlen kann.

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