Kinokritik zu „A Single Man“

Kaum einer hätte dem Modedesigner Tom Ford, der sich als Regisseur an die Verfilmung von Christopher Isherwoods Roman „Der Einzelgänger“ heranwagte, wohl einen solchen Film zugetraut. Mit Colin Firth („Tatsächlich Liebe“) in der Hauptrolle ist dem Team rund um Tom Ford allerdings ein kleines Meisterwerk gelungen. Herr Ford, gerne mehr davon!!

Zur Story:
Für den homosexuellen Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth) ist das Leben seit dem Tod seines langjährigen Lebenspartner Jim einfach nicht mehr dasselbe. Jede Nacht quälende Albträume, auch tagsüber überfallen ihn die Erinnerungen regelrecht und nichts und niemand vermag die Leere in seinem Herzen zu füllen. Weil das Leben ohne seinen Jim für ihn keinen Sinn mehr macht, beschließt er seinem Liebsten in den Tod zu folgen. Doch George ist kein Mensch, der etwas dem Zufall überlässt und so plant er seinen Abgang ganz akribisch, um niemandem Umstände zu bereiten. Doch nach einem Abend mit seiner besten Freundin Charley (Julienne Moore) trifft er auf einen seiner Studenten, Kenny (Nicholas Hoult), der irgendwie zu ahnen scheint, was mit George los ist. Vermag diese Begegnung den einsamen Mann vielleicht doch noch zu bekehren?

Fazit:
„A Single Man“ ist ein Film wie ein Gemälde, das durch visuelle Kniffe und eine durchweg beeindruckende Optik besticht, wie man sie im Kino nicht sehr oft zu sehen bekommt. Doch, und darin liegt wohl das eigentliche Wunder, die Optik verkommt nie zum Selbstzweck, sondern dient immer nur der Unterstützung der Erzählung und verdeutlicht nur umso mehr die Abgründe hinter dem perfekten Äußeren. So stehen trotz der auffallenden und perfekt inszenierten Ästhetik trotzdem die Figuren im Mittelpunkt und Colin Firth bleibt genug Raum für die Darstellung seines innerlich gebrochenen George, der sich stets redlich bemüht seine perfekte Fassade aufrecht zu halten. Selten genug erlebt man solche magischen Kinomomente, wie der Augenblick, indem George vom Tod seines Geliebten erfährt. Da bricht einem als Zuschauer fast selbst das Herz, so brillant spielt Colin Firth seine Rolle. Trotzdem erstickt der Film nicht im Drama, denn trotz seiner tragischen Geschichte überzeugt er immer wieder durch subtil humoristische Momente. „A Single Man“ ist ein Film über Verlust und Trauer, aber nicht zuletzt auch eine universelle Geschichte über die Macht der Liebe. Absolut sehenswert.

Schulnote: sehr gut

Regie: Tom Ford
Darsteller: Colin Firth, Julienne Moore, Nicholas Hoult, u. a.
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 101 min.
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