Interview: Punch’n’Judy (Crossover-Folk/Piratenrock)

Ein Interview mit dem bislang besten Fiddler’s Green-Support

Im ersten Teil der “Wall of Folk”-Tour von Fiddler’s Green (wir berichteten vom Konzert in Kaiserslautern) gab’s einen Wechsel beim Special Guest. Kellner fiel kurzfristig aus und Punch’n’Judy sprangen spontan ein. Das Ergebnis: Durch diesen Wechsel kamen die Fiddler’s zu ihrer bislang besten und coolsten Vorband. Nicht nur, dass Punch’n’Judy annähernd so groß wie der Hauptact gefeiert wurde; sämtliche CDs der Band waren im Anschluss ausverkauft. Doch was machen Punch’n’Judy aus? Fiddler’s Fans werden sagen: Endlich mal eine Band, die annähernd so klingt, die aber nicht das Chartklischee vieler sogenannter ehemaliger Szenebands bedient, sondern frisch, frech und folkrockig daherkommen. Sänger Sascha und Gitarrist Peter standen uns für ein Interview zur Verfügung:

Saarschall: Euer Musikstil ist sehr speziell. Andere Bands Eures “Metiers” singen meist nur auf deutsch (was wir nebenbei immer ganz schlimm fanden). Wie kamt Ihr auf die Idee des Folkcrossover? Welche Bands inspirieren Euch? Mit wem würdet Ihr gerne mal die Bühne teilen?

Sascha: Mich würde erst einmal interessieren in welchem Metier wir, musikalisch betrachtet, überhaupt beheimatet sind. Wir wollten uns von vornherein nicht auf eine Richtung beschränken, da der Folk und Musik generell so vielseitig sind, und wir dies auch nutzen möchten. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass wir sowohl in einem Folk- als auch in einem Rock-/Metal-Rahmen gut platziert sind. Die Mischung macht’s. Dennoch, und da gebe ich Dir recht, haben wir in der jüngeren Vergangenheit überwiegend mit Bands aus dem Mittelalter-/Folk-Bereich gespielt. Und das ist auch unser Weg.

Deutsch finden wir gar nicht verkehrt. Die Texte dürfen einfach nur nicht zu aufgesetzt und plump sein. Das kann man sich wohl mal bei englischen Texten erlauben (als deutsche Band auf dem deutschen Markt), aber wenn man auf deutsch schreibt, sollte man schon den Anspruch haben eine Geschichte zu erzählen. Das Problem bei vielen deutschen Texten ist meiner Ansicht nach, dass viele Bands mit dieser hart klingenden Sprache “böse” rüberkommen wollen. Oft schlägt es allerdings fehl, so dass es dann eher lustig erscheint.

Peter: Unsere Musikrichtung ergibt sich aus den unterschiedlichen Charakteren und Instrumenten. Auf diese Weise vermischen sich verschiedene Musikrichtungen. Mich inspirieren Bands aus dem Metalbereich. Früher Metalbands aus den 80ern herrschen hier vor. Egal, in welcher Sprache die Texte sind, die Hauptsache ist, es rockt. Bands aus unserem “Metier” kenne ich erst seit ein/zwei Jahren. Ich teile mir mit jeder Band die Bühne.

Saarschall: Gibt’s ein Konzerthighlight, von dem Ihr berichten könnt/wollt?

Sascha: Ich find’s schwierig aus all diesen unglaublichen Konzerten, die wir erleben durften, ein spezielles herauszustellen (es liegt wohl daran, dass ich mich durch den Adrenalin-Rausch ohnehin an nichts erinnern kann ;-)). Was mich allerdings schwer berührt hat, war die Aussage einer jungen Frau, die eine Woche zuvor ihr Kind verlor. Sie sagte, dass wir es geschafft haben sie wieder zum Lachen zu bringen. Sie umarmte uns und war von Herzen dankbar. Das werde ich nie vergessen.

Peter: Für mich ist jedes Konzert irgendwie ein Highlight. Ein schönes Erlebnis war das Beltaine-Festival auf Schloss Burg 2010. Es hat geregnet wie aus Eimern und die Leute haben einen Regentanz aufgeführt und uns abgefeiert. Ein weiterer Höhepunkt war das Stadtfest in Duisburg, als Stefan aus gesundheitlichen Gründen nicht auf die Bühne konnte und wir ohne ihn gespielt haben.

Saarschall: Wie war die Tour mit Fiddler’s Green? Wir haben selten eine Vorband erlebt, die so gut beim Publikum ankam. Seid Ihr – wie wir – der Meinung, dass es gerade im Bereich Speedfolk zu wenige gute Bands gibt?

Peter: Die Tour war großartig. Professionelles Arbeiten, volles Haus und wirklich nette Leute…was will man mehr? Spaß pur, trotz Stress. Ich kenne sonst keine Bands, die diesen Bereich abdecken.

Sascha: Die Tour mit Fiddler’s Green war eine unbezahlbare Erfahrung für uns. Wir haben zwar im Vorfeld bereits das eine oder andere Mal mit ihnen gespielt, aber auf der Tour wuchs man so zusammen. Es war ja quasi für einen bestimmten Zeitraum unsere tägliche Arbeit. Musikalisch, professionell gesehen und auch persönlich ist Fiddler’s Green ein astreiner sympathischer Haufen. Was man besonders hervorheben muss, wenn man über die Tour spricht, ist dieses spitzenmäßige feierwütige Publikum. Weil man nicht um es “kämpfen” muss, ist jede Show von vornherein ‘ne große Party.

Peter: Ich überblicke den Speedfolk-Bereich nicht wirklich. Ich dachte bisher, dass es ausschließlich Fiddlers’ Bereich ist. 😉 Ich denke, wenn es nur ein paar gute Bands im Speedfolk-Bereich, wie bspw. Dropkick Murphys oder eben die Fiddlers gibt, ist es besser als wenn es zu viele schlechte gibt. Ich denke da nur an den Horror-Punk-Bereich: Nach den beiden Reunion-Platten der Misfits mit Michale Graves wollten plötzlich Alle wie die Misfits klingen. Das Ergebnis war eine Flut an durchschnittlichen Kopien.

Saarschall: Was sind Eure Zukunftspläne? Gibt’s womöglich ‘ne eigene punch’n’judy-Tour? Ein neues Album?

Peter: Ne eigene Tour wäre schön und ist wohl in Planung. Ebenso eine neue CD.

Sascha: Geplant ist beides. Allerdings liegt zuerst die neue CD im Fokus.

Saarschall: Folkrock ist und bleibt zum Glück eine Szenemusikart. Wie seht Ihr die zunehmende Chartpräsenz ehemaliger Szenemusiker wie Unheilig oder Subway to Sally?

Peter: Dass diese Musik nur eine kleine Sparte bleibt ist eigentlich schade. Die Leute sollten die Arbeit dieser Bands mal wertschätzen. Denn diese haben es nach langen Jahren harter Arbeit endlich geschafft sich Gehör zu verschaffen. Ich erinnere mich an einen Auftritt von Subway to Sally bei TV Total. Die wurden vom Moderator nicht wirklich ernst genommen, was ich schade fand.

Sascha: Dass eine Band glücklich über zunehmenden Erfolg ist, steht außer Frage. Wenn man sich treu bleibt und der Erfolg wächst, freue ich mich natürlich über den wachsenden Erfolg einer Band. Wenn man sich allerdings verbiegt, um auf Biegen und Brechen einen neuen Markt zu erobern, hat das für mich nichts mit Authentizität zu tun. Wie ernst können die alteingesessenen Fans einen da noch nehmen. Wenn man es aber auf die künstliche Entwicklung anlegt, ist der Anteil derjenigen, die einen lange begleitet haben und nun enttäuscht sind, eher schwindend gering. Es gibt womöglich Bands, die das in Kauf nehmen.

Saarschall: Unsere saarländischen Fans interessiert natürlich besonders: Wann seid Ihr mal in der Nähe? (Die meisten würden wohl auch ins Pfälzer Ausland tingeln)

Sascha: Das wird die Zeit zeigen. Wir kommen gerne wieder.

Peter Meine Hoffnungen liegen auf dem kommenden Herbst.

 

Wir danken Sascha und Peter für dieses Interview.

Das Interview führte Patrick Kirsch.

 

Künstlerhomepage: www.punch-n-judy.com

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