CD-Preview: Wingenfelder:Wingenfelder – Besser zu zweit

Die beiden Ex-Frontmänner von Fury in the Slaughterhouse bringen ihr erstes komplett deutschsprachiges Album heraus. Wir haben es uns vorab angehört…

Ich bin ehrlich: Ich war und bin immer noch ein wenig skeptisch über das Erscheinen und den Sinngehalt dieses Albums. Sollen zwei der größten englischsprachigen deutschen Rockstars in deutschsprachige Gefilde umsatteln? Deutsche Musik hat immer ein kleines Geschmäckle: Sie klingt “härter” als die englische und daher leider oft auch unmelodisch. Und sobald man versucht, diesirgendwie aufzumotzen, ist man bei solchen Nervbands wie Juli, Silbermond, Sportfreunde Stiller und wie sie alle heißen. Alles klingt gleich, alles hat man schon einmal gehört.

Hierbei haben die vorliegenden Künster jedoch schon einen Vorteil: Kai Wingenfelder, einst Sänger der Band Fury in the Slaughterhouse und sein Bruder Thorsten Wingenfelder (Gitarrist derselben)  haben über 20 Jahre bewiesen, was sie können: Radio Orchid, Won’t forget these Days, Time to wonder und wie ihre Hits alle heißen.

Nach Fury in the Slaughterhouse schloss sich das Bruderpaar also nun zusammen und machte mal das, auf das sie scheinbar einfach Bock hatten: Musik aus dem Bauch heraus…und komplett auf deutsch.

Das Album beginnt schön rockig: “Revolution” ist ein klasse Opener, sehr eingängig, auch wegen der immer noch vorhandenen Wingenfelderschen Rockröhre.

“Perfekt” ist der erste Song, der der Öffentlichkeit in allerlei Internetabstimmungen, Facebook usw vorgestellt wurde. Ist es ein netter Popsong, schließt sich abr leider an das Terrain oben genannter Bands an. Da wird die Liebe besungen, tralalalalala, hach, ist die Welt so schön. Seid mir nicht böse Jungs, aber wenn Silbereisen anruft, werdet ihr Probleme haben, zu erklären, warum ihr da mit dem Song nicht reinpasst.

“Dinge, die wir nicht verstehen” hat ein wenig was vom Fury-Klassiker “Trapped today, trapped tomorrow”, diesmal allerdings gesungen von Thorsten Wingenfelder. Dieser hat in der Vergangenheit auch schon des öfteren bewiesen, dass er singen kann, v.a. auf deutsch. Meiner Meinung nach sogar noch ein wenig besser als Kai. Kai seh ich wirklich eher als den klassischen englischsprachigen Rotzrocksänger (ich kann nur immer wieder verweisen auf Fury-Songs: Waiting for Paradise, Welcome to the other World, Cry it out, …). Dennoch eine sehr schöne Ballade mit tiefgreifendem Text.

Die folgenden Songs “9 Leben” und “Besser zu zweit” sind ganz nett für den abendlichen Leseabend oder als Essenbeilage. Gehen auch eher in Richtung Popballaden, jau, wer’s mag, gern! Wer’s nicht mag: Auch nich schlimm!

Lustig-fröhlich kommt “Nie zu spät” daher, super Text, da fühlt jeder mit! Klassisch zum Mitwippen und klatschen, macht Spaß zuzuhören.

Mein persönlicher Anspieltipp ist allerdings “Paradies”. Der Song stand schon einmal auf der Wingenfelderschen MySpace Seite zum Anhören bereit, allerdings auf Englisch unter dem Titel “Road to Belief”. Dass das Ding nun in deutsch daher kommt, tut kaum Abriss, die Melodie und der Gesang rocken einfach; solche Titel hätt ich mir auf dem Album mehr gewünscht, das ist nämlich das, was sie richtig gut können: Einfach mal rocken.

Ohne jetzt zu jedem Song etwas zu sagen, bleibt festzuhalten: Das ist mal wiederum große Kunst, was die Herren da abgeliefert haben. Die Musik und die Texte haben Format und Tiefgang und trällern sich eben nicht durch die Chartwelt rund um Unheilig u. Co.

Fazit: Fury-Balladenfans müssen das Album haben. Fury-Fans an sich eigentlich auch. Fans der Fury-Rocksongs dürfen es sich auch kaufen, alleine schon, weil damit wirklich talentierte Musiker unterstützt werden. Und vielleicht, ja vielleicht, kriegen wir Rotzrockfans auch wieder Materia.

Schulnote: 2

Ab 09.09.2011 im Handel

Bevor ich’s vergesse: Wir Saarländer haben’s super getroffen. Am 19.08.2011 treten Wingenfelder:Wingenfelder auf der Fiesta Italiana in Homburg auf, kostenlos!

Bandhomepage: www.wingenfelderwingenfelder.de

 

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Ein Gedanke zu „CD-Preview: Wingenfelder:Wingenfelder – Besser zu zweit“

  1. lieber Kritiker, da du ja “Fury” vorbelastet bist, sollte die Kritik evtl. von jemanden kommen der das Album neutral bewertet, ich kann mir nicht vorstellen das Kai und Thorsten dieses Album für “alte Furyaner” geschaffen haben, sondern um dem heimischen Geniesser guter Musik, Texte verständlich näher zu bringen. Schade das Kritiker immer nur den Chart- oder Erfolgskommerz sehen und nicht den Hintergrund einer aussagekräftigen heimischen Produktion. wie würde sich Angst vor der Angst auf Englisch anfühlen – sorry, geht garnicht.
    Aber du würdest das mit Sicherheit besser machen, denn du hast ja Ahnung.
    MfG
    ein alter Fury-Fan und ein Freund guter ehrlicher deutscher Musik.

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