CD-Kritik: Wingenfelder – Selbstauslöser

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Guter deutscher Poprock mit den Ex-Fury Frontmännern Kai und Thorsten Wingenfelder

Zugegeben: Es kann verwirrend sein. Vor einigen Jahren veröffentlichte Kai Wingenfelder unter “Wingenfelder” sein Soloalbum “Alone”. Nach dem Ende von Fury in the Slaughterhouse kamen Kai und Thorsten Wingenfelder als Wingenfelder:Wingenfelder zusammen und veröffentlichten “Besser zu zweit”. Vielleicht war der Bandname jedoch zu lang oder unpraktisch; jedenfalls entschloss man sich, fortan schlicht unter “Wingenfelder” aufzutreten. Einige Pressekollegen vermeldeten prompt das 2. Soloalbum von Kai. Ein Blick ins Booklet hilft manchmal weiter…

Zum Album selber: Es ist rockiger als seine Vorgänger. Gott sei Dank. Hatte ich insbesondere bei “Besser zu zweit” zeitweilig den Eindruck, dass hier 2 Ex-Rocker auf ihre älteren Tage auf den Lala-Schmalzpopzug aufgesprungen sind, die Gitarren nach und nach verschwinden lassen und diese durch schwülstige Keyboards ersetzen, zeigen uns die Wingenfelder-Brüder schon beim Opener “Petra Pan” das Gegenteil. Schnell, rockig, schwungvoll, stakkatierend. Wär die Nummer auf Englisch, Fury hätte ne neue Single. Der Schwung der Nummer geht zum Glück über “Du bist die Nacht” hinfort, denn hier bekommt der geneigte Rockfan wieder ne schmalzige Ballade vor die Nase gesetzt. Echt nicht mein Fall, sorry Männer. “Zu wahr um schön zu sein” ist Ausdruck dessen, was Kai und Thorsten immer schon sehr gut konnten: Ironische Songs schreiben, die zwar nicht zum Mitsingen, jedoch zum Schmunzeln einladen. “Klassenfahrt” handelt von vergangenen Tagen und ist einer der “Früher war alles besser”-Songs, jedoch sehr eingängig und hat dadurch durchaus seine Daseinsberechtigung. Bei “Astro James” könnten sich die Wingenfelders Olli Kalkofe anschließen. Herrlich sarkastisch nehmen sie die Astro-TV Welt auseinander (“Die Engel schwirr’n hier nur so rum…”).

Um das Ganze in eine Form zu bringen: Die Wingenfelders singen von der Vergangenheit und der Gegenwart, vom Hier und Jetzt und der Zukunft. Gesellschaftskritik, Liebe, Trauer … das sind die Themen, die sich Kai und Thorsten nunmehr auf die Fahnen geschrieben haben.

Ob ihnen die deutsche Sprache besser steht, mag jeder selbst beurteilen. Ich hatte nie was gegen die englischen Songs. Live sind die Brüder eine Bank und wer noch keines ihrer Konzis gesehen hat: Im Dezember gastieren sie im kleinen Club in Saarbrücken.

Schulnote: 2

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