CD-Kritik: Washed Out – Within and Without [2011]

Chillwave! Einigen Musikkritikern bleibt wohl diese Bezeichnung einer nicht allzu alten Musikrichtung mittlerweile wie ein Klos im Hals stecken. Zu Beginn, das war so 2009, war die Euphorie groß um diese neue Musikrichtung. Und das zurecht, schließlich kam zu der Zeit auch großartige Musik aus dieser Sparte. Denken wir da an die ersten LP´s oder EP´s von Neon Indian, Small Black, Toro Y Moi oder Memory Tapes. Und auch die EP “Life Of Leisure” von Washed Out kam zu dieser Zeit auf den Markt und begeisterte nicht wenige Hörer. Und nun? Was ist aus dieser anfänglichen Euphorie geworden? Wo ist sie hin? Tatsache ist, dass man damals mit Chillwave gerade zu überrannt wurde. Fast täglich kamen neue Bands, neue Videos, neues Material. Und nicht alles davon war gut. Nicht alles konnte so überzeugen wie die oben genannten Künstler. Oft kamen noch diese Self-Made-Videos von Fans mit banalem VHS-Videomaterial der 80er hinzu. Jeder der sich mit dieser Musik genauer beschäftigt hat, konnte ihren Werdegang und auch ihren Untergang live mit verfolgen. Untergang? Naja, soweit sind wir noch nicht!

Chillwave? Diese Musikrichtung findet ihr Grundgerüst in dem Sound der 80er. Entspannte Synthie-Melodien und elektronisches Schlagzeug. Das Ganze aber nie überproduziert, alles klingt nach Lo-Fi und oft zerfließen die Melodien mit dem Gesang. Im Zeitalter des Laptops kann man sich leicht vorstellen, dass diese Sounds auch gerne am Computer generiert werden. Deshalb verwundert es auch kaum , dass viele Leute sich daran versucht haben. Der grundlegende Sound war da, das Equipment war leicht zu beschaffen. Doch die wichtigsten Zutaten fehlen noch. Das sind musikalisches Talent und ein Händchen für die richtigen Sounds. Und genau diese Dinge brachte Ernest Greene mit, als er sich entschloss Musik zu machen.

Gut zwei Jahre nach “Life Of Leisure” kommt nun endlich die LP “Within and Without” von Washed Out in die Läden. Künstler wie Toro Y Moi sind mittlerweile von der Chill-Welle weggekommen und auch bei den Singles zum kommenden Album “Player Piano” von Memory Tapes hört man nur noch wenig von diesem Genre. Doch mit Washed Out bleibt Ernest Greene dieser Linie treu. Er macht da weiter, wo er erfolgreich aufgehört hat. Als einer der Wegbereiter für diese Musikrichtung und mit einem eigenständigen Sound zeigt er, wie schön doch diese Musik klingen kann. Davon kann mit sich schon mit dem ersten Track “Eyes Be Closed” überzeugen, der auf der Fahrt in den Sommerurlaub gehört werden will. Wunderbare Stimmung und ein Gesang, der entspannter nicht sein könnte. Sowieso ist der langgezogene Gesang eines der wichtigsten Elemente seiner Musik. Er schwebt über allen Songs wie ein weicher Schleier und macht einen Großteil der Atmosphäre aus. Alles wirkt sorgfältig durchdacht und an die richtige Stelle gesetzt. Die Songstruktur bleibt der eines Popsongs treu. Diese Äußerung mag für manche etwas abschreckend klingen, weil Pop oft auch Langeweile bedeutet. In der Tat, musikalische Überraschungen erlebt man hier keine, Ernest Greene ist ja auch nicht Mike Patton. Aber trotz der vielen Loops wirken die Songs nie monoton und langweilig. Dies wird mit Track 4 “Soft” deutlich. Eigentlich ein einfacher Beat, aber trotzdem wirkt der Song dynamisch und fesselnd. Spätestens an dieser Stelle sollte der Funke übergesprungen sein. Auch “Before” lässt den Hörer wieder zerschmelzen. Zuckersüß und melancholisch, perfekt für Sonnenuntergänge am Strand! Track 7 “You And I” könnte einigen bekannt vorkommen. Dieser war schon Teil der Adult Swim Compilation 2010. Nichts Neues also, meiner Meinung nach aber die richtige Entscheidung ihn auf das Album zu packen. Eines der besten Stücke, die Greene bisher produziert hat. Und die Gesangseinlagen von Caroline Polachek wecken so manche Schlafzimmerfantasie. Der letzte Track auf dem Album “A Dedication” wirkt da schon eher untypisch. Mit einem Piano-Sample grenzt er sich deutlich von den restlichen Songs ab. In meinen Augen der schwächste Song auf dem Album, wenn auch wohl der persönlichste. Da hätte man noch mehr herausholen können.

Mit “Within and Without” schafft Washed Out ein perfektes Dream-Pop-Album. Eigenständiger Sound, grandiose Stimmung und eine klare Linie sind die Hauptmerkmale. Hier werden keine Experimente gemacht. Vielmehr versucht Greene, den Popsong auf seine eigene Art und Weise zu perfektionieren. Und das gelingt ihm bei annähernd jedem Song. Dabei hat nicht ungewollt das ganze Album einen gewissen erotischen Touch, ja sogar Sex-Appeal. Greene weiß wie das geht. Somit kann von Untergang des Chillwave noch keine Rede sein. Dazu ist das Album einer der wichtigsten Akteure in diesem Spiel viel zu gut geworden. Wie es mit Chillwave weitergeht, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird dieses Wort wohl wieder öfters fallen.

 

Note: 1

 

[youtube KoN2IvLlK8w]

 

[amazon_enhanced asin=”B0051MP6A6″ /]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.