CD-Kritik: Paul Kalkbrenner – Icke wieder [2011]

Diejenigen die den Hype der letzten zweieinhalb Jahre um Paul Kalkbrenner und seinen Film und das gleichnamige Album “Berlin Calling” nicht verpasst haben, werden zumindest den Track “Sky and Sand” noch in Erinnerung haben. Der Song lief die letzten Jahre in unzähligen Discos und auf unzähligen Parties, bis er totgespielt war. Eigentlich keine Nummer zum Tanzen und eher melancholisch, aber viele wagten sich dazu zu bewegen und mitzusingen. Auf jeden Fall ein schöner Ohrwurm, der Vielen im Gedächtnis blieb.

Heute schreiben wir das Jahr 2011 und Paul Kalkbrenner ist mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. “Techno made in Germany” hat einen guten Ruf erlangt, besonders außerhalb des Landes. Dazu hat neben Boys Noize auch Paul Kalkbrenner viel beigetragen. Was Techno anbetrifft sind wir mittlerweile weiter. Vorbei die Zeiten von Mayday oder Love Parade, als Techno von der restlichen Musikwelt und großen Musikkritikern nicht wirklich als wichtiger Musikzweig wahrgenommen wurde. Mittlerweile spielen die neuen Größen des Techno auf den Weltbühnen, u.a. dem “Melt! Festival”, wo sich Electro und Indie die Hand geben und eines der besten Festivals Europas abliefern.

Aber nun zum Album. Die Erwartungen sind natürlich hoch nach “Berlin Calling”. Ein Techno-Album das die Massen erreicht hat, wie will man das noch toppen? In dem man sein Talent und seine Fähigkeiten gekonnt einsetzt. Klar erfindet sich Paul Kalkbrenner nicht völlig neu, das würden ihm wohl auch seine Fans übel nehmen. Für Hörer die sich mit dem Genre noch nicht auseinander gesetzt haben, mag vieles gleich klingen. Doch die Unterschiede liegen im Detail. Klar läuft der Sound in eine Richtung, da werden keine Experimente gemacht. Aber an Ideen mangelt es hier nicht. Der Opener “Böxig Leise” ist eher eine kleine Aufwärmphase, haut noch nicht richtig rein. Dafür gibt Track 2 “Gutes Nitzwerk” mit seiner Atmosphäre und dem treibenden Beat voll eins auf die Zwölf! KO-Schlag? Nein, es geht noch weiter. Wir sind auf dem Dancefloor angelangt…man mag sich bewegen. “Jestrüpp” holt das Tempo wieder etwas raus. Doch mitten drin spürt man dass da noch was geht. Der Track gibt nochmal alles und will auf den Dancefloor. Komplizierter wird es mit Track 4 “Schnakeln”. Der Song wirkt leicht verschachtelt und fordert eher das Zuhören, macht aber unheimlich Spaß. Es folgt eine kleine Auszeit. “Kleines Bubu” möchte wohl auch genau da hin. Ein einfacher Beat und auch keine große Wirkung. Naja, wir haben erst Halbzeit. Es geht weiter mit etwas schwereren Klängen. “Des Stabes Reuse” klingt nach einem heftigen KO-Schlag. Langsam wieder auf die Beine kommen, heißt es. Der Kampf verliert etwas an Spannung und Tempo. “Kruppzeug” versprüht Melancholie und Gradlinigkeit, ist aber auf seine Weise schön. Der nächste Song plätschert eher so vor sich hin. Zum Schluss wird es nochmal spannend. In “Der Breuzen” zeigt Paul Kalkbrenner welche Energie noch in ihm steckt und gibt nochmal alles. Hier wird man getrieben von den Bässen und Loops, bekommt zwischen drin eine kleine Pause spendiert, bevor alles wieder zu zappeln anfängt. Wir sind wieder auf dem Dancefloor angelangt…

Im Großen und Ganzen schafft es Paul Kalkbrenner mit seiner neuen LP nicht ganz an „Berlin Calling“ heranzukommen. Das Album hat wieder einige interessante Sounds zu bieten, verliert sich aber in der zweiten Hälfte etwas um dann noch einen drauf zu setzen. Um eine Welle der Begeisterung wie sie vor mehr als zwei Jahren stattgefunden hat auszulösen, bräuchte das Album mehr Höhepunkte. Aber vielleicht will Paul Kalkbrenner das auch nicht und verzichtet bewusst auf einen Ohrwurm wie “Sky and Sand”. Jedenfalls kommen die Fans von PK definitiv auf ihre Kosten.

Note: 2-

 

[youtube HUo2zQ1RPZM]

 

Paul Kalkbrenner: Homepage

 

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