CD-Kritik: Oliver Polak – “Jud Süß Sauer”

Nach seinem überraschenden Bucherfolg “Ich darf das, ich bin Jude” kommt Oliver Polak nun mit seinem Comedyprogramm “Jud Süß Sauer” auf die Bühnen Deutschland. Ein Mitschnitt aus dem Berliner Admiralspalast erscheint dieser Tage auf CD.


Oliver Polak, Jahrgang 1976, kommt aus Papenburg und ist auch stolz darauf. Der “Panda aus
Papenburg” reizt sein Jude-Sein bis zum Letzten aus. Dabei spielt er bewusst mit der Grenze
des guten Geschmacks, die Trennlinien zwischen bitterschwarzem Humor und der “sowas sagt
man in Deutschland einfach nicht”-Mentalität sind hauchdünn. So habe er z.B. als Kind stets
Bedenken gehabt mit dem Reim “Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen”, da seine
Verwandtschaft in einem Buchenwald umgekommen ist. Auch der Begriff Führer-schein lässt ihn kalt, allerdings die Person Adolf Hitlers weniger. Richtig lustig ist dann allerdings der Versuch, einen Türken als jiddischen Stand-Up-Comedian zu etablieren oder seine Hitler-Parodie bei einem Besuch auf einer Insel namens England. Getreu seinem Motto “Wenn das Lachen im Halse stecken bleibt, hat man länger was davon” offeriert Polak neue Sichtweisen alter Probleme. Wie kann man z.B. den Gedenktag der Reichspogromnacht zusammen mit dem Fall der Mauer feiern und vor allem in welchem Kostüm (beide am 09.11., Hinweis für alle Geschichtsfanatiker und Lehrer : ja, am gleichen Termin in 1918 dankte auch der Deutsche Kaiser Wilhelm II ab !) ? Er witzelt über Vorteile, die dem typischen Juden so nachgesagt werden wie Geiz (die Prostituierte macht´s jiddisch, also für die Hälfte) und Leidensmiene. Es fragt sich hier nur, wer diese Vorurteile eigentlich noch hegt ? Polak entstammt der Stand-Up-Comedy. Und das merkt man. Gibt es nicht alle 10 Sekunden einen Lacher, ist das per se schlecht. So werden die Witze derart aneinander gereiht und die Themen nacheinander abgefrühstückt, dass einem die Luft wegbleiben kann. Es mangelt an Erholungsphasen. Scheinbar dies erkennend versucht er sich auch als Sänger zweier ruhigerer Lieder, die meiner Meinung nach zum schwächsten auf dieser CD gehören. Ansonsten ist diese Aufnahme für Freunde des ganz schwarzen Humors, der auch mal die Grenzen des gut bürgerlichen Denkens und Handels durchbricht, durchaus empfehlenswert. Ja, ja, der Polak ist schon ein komischer Jude…

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