CD-Kritik: Gold Panda – Lucky Shiner [2010]

lucky shiner

Derwin Panda aka Gold Panda ist ein londoner Produzent, der 2010 die Musikwelt mit seinem Debut-Album “Lucky Shiner” bereicherte. Die Jahre zuvor reiste er durch den asiatischen Kontinent und veröffentlichte die ein oder andere Single und EP, das Ganze noch ohne Plattenlabel. In Fernost scheint er eine Welt für sich gefunden zu haben. Zumindest hört man das seinem Sound immer wieder an.

“Lucky Shiner” ist ein Album, das von kleinen Details lebt, die geschickt in Szene gesetzt werden. So zum Beispiel der Opener “You”, der ein fein zerstückeltes Voice-Sample enthält, welches sich durch den ganzen Song zieht und diesem eine unheimliche Dynamik verleiht. Schon mal ein perfekter Anfang Herr Panda! Weiter geht die Reise durch den Klangkosmos mit  “Vanilla Minus”. Der Song baut sich langsam aber geschickt auf, hält die Spannung bis zum Ende und möchte dann richtig loslegen. Doch dazu kommt es erst gar nicht. Stattdessen werden wir in eine für das Album untypische Akustiknummer namens “Parents” eingeführt. In “Same Dream China” kommt dann der Einfluss aus Fernost so richtig zum Tragen. Ein Song wie aus dem chinesischen Staatsfernsehen. Ja, man könnte dazu die Augen schließen und meditieren, jedoch bewegt der treibende Beat den Körper fast von alleine. Die Nummer “Snow & Taxis” vereint wieder einen kurzen Loop mit Glockenspiel und kleinen Feinheiten zu einem Meisterwerk. Gut gemacht Herr Panda! Der nachfolgende Song wirkt dann schon eher hektisch mit seinem Geklacker, wird aber von “Marriage” wieder glattgebügelt. Achja, an dieser Stelle dürfen dann die Augen wieder geschlossen werden. Und dann ein Song mit einer langen Zündschnur. “I´m With You But I´m Lonely”. Grandios wie er sich aufbaut und zwischen himmlischen Klängen und einem energischen Drumcomputer abwechselt. Unscheinbar wirkt er zunächst, bevor dann bei weiterem Hören die Komplexität der Songstruktur deutlich wird. Weiter so Herr Panda! Es folgt eine Nummer die viel Tempo herausnimmt. Eher träge bewegt sich der Beat nach vorne, wird aber durch die verschiedenen Sounds auf Trab gehalten. Bei “India Lately” geht es wieder ganz schön nach vorne. Hier geht es musikalisch auf die große Halbinsel südwestlich des Tibet. Der Song wirkt komplex und zerstückelt, fährt aber mit dem indischen Touch eine klare Linie. Das Album schließt wieder mit “You”. Diesmal in einer deutlich entspannteren Version, begleitet von einer magischen Frauenstimme.

Wie kann man Herr Panda´s Sound nun treffend zusammenfassen? Elektronische Musik gepaart mit Weltmusik wäre für mich zu einfach. Dazu sind die Songs viel zu unverbraucht. Auf der einen Seite spiegelt das Album das Traditionelle wieder, das vertraut scheint. Auf der anderen Seite spürt man deutlich den Drang nach vorne, nach etwas Neuem. Und genau diesen Spagat macht Gold Panda mit seinem Debut-Album. Was dabei rauskommt ist detailverliebt, abwechslungsreich und auf lange Sicht beständig. Ein Album das nach reichlichem Hören nicht an Magie verliert. Es wäre zu weit gegriffen zu sagen, hier sei etwas völlig neues entstanden. Schließlich gibt es da noch andere Künstler wie “Four Tet” oder “Mount Kimbie”, die schon vorher diese Richtung eingeschlagen haben. Aber die Musik von Gold Panda ist einfach unverwechselbar.

Note: 1

Gold Panda hat übrigens im Februar diesen Jahres im Exit07 in Luxemburg gespielt. Wer sich von seinen Live-Qualitäten überzeugen möchte, eine weitere Tour durch Europa ist seit dem 22.06.11 im Gange. Klare Empfehlung!

 

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I Am Gold Panda: Homepage

 

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