Buch-Kritik: Ich will schlafen (H. Walsh)

Ein Buch über das Leben und wie man es großzieht

Rachel, Helen Walshs Romanheldin, kann einfach keinen Schlaf finden ! Der Grund ist Joe, ihr kleiner Sohn.

Nach und nach erfährt der Leser wie sie in diese Situation geraten ist. Rachel, eine hochengagierte Sozialarbeiterin in Liverpool, verbringt einen one-night-Stand mit einer verflossenen Liebe, als dessen Resultat die „Bohne“ erscheint, wie sie auf einem Ultraschallbild zu erkennen glaubt. Aus der Ich-Perspektive heraus erfährt der Leser, die scheinbaren Zustände in englischen Kliniken, denn die hochschwangere Rachel wird von einer derben Oberschwester wieder nach Hause geschickt. Und dort kommt es, wie es kommen muss : Sie gebärt ihr Kind in der eigenen Wohnung. Doch nun beginnt erst das Martyrium und die eigentliche Handlung. Sie schafft es nicht, eine dauerhafte emotionale Bindung zu Ihrem Sohn aufzubauen. Hilfe von außen, z.B. durch ihren Vater oder dessen Lebensgefährtin, lehnt sie ab und auch weitere Hilfe durch staatliche Stellen lässt sie nicht an sich heran. So beginnt ein Kreislauf aus Nichtschlafen, Depression, Halluzination, Brust anlegen, Schreien, Nichtschlafen…. Sie sieht sich umringt von Vorzeigemüttern, bei denen die postnatalen Problemen scheinbar nicht auftreten. Wir sehen die „Heldin“ nachts orientierungs- und ziellos mit ihrem Joe im Kinderwagen durch Liverpool umherstreifen, um schließlich einen kompletten Zusammenbruch zu erleiden.

Gefeiert als Tabubruch, von Charlotte Roche als grandios bezeichnet, ist das Buch doch eine ziemliche Enttäuschung. Natürlich will und kann man nicht verschweigen, dass es Kindbettdepressionn gab und immer geben wird, aber wenn deren Schilderung bereits einem Tabubruch gleichkommt, dann will ich gar nicht wisssen, welche Tabubrüche uns aus Sicht der Kritiker dann noch erwarten. Auch wenn ich die tiefe, ehrliche und vor allem direkte Sprache der Autorin bewundere (ich vermute mal, es liegt auch eine verdammt gute Übersetzung vor), so verlangte die Lektüre doch ein wenig Anstrengung, zumal nicht immer auf Anhieb klar ist, ob Rachel sich nun in der Gegenwart befindet oder auf eine ihrer Traumreisen, in denen sie Trost bei Ihrer unlängst verstorbenen Mutter sucht oder einer Beziehung mit dem Kindsvater nachtrauert

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