Buch-Kritik: Data unser (Bloching/Luck/Ramge)

Kreditkartenfirmen wissen, wer sich in den nächsten fünf Jahren scheiden lässt. Unmöglich?

Dachte ich auch, aber dann habe ich dieses Buch gelesen. In der neuen Welt des Big Data können Unternehmen Kundenverhalten vorhersagen. Oft besser als die Kunden selbst. Mit Social Media, Cloud und Smartphone heben sich die Grenzen von Online- und Offline-Welten mehr und mehr auf – und verbreitern die Datenbasis weiter.

Angefangen hat alles bei WalMart in den USA, tja, wo sonst. Ging es anfangs einfach nur darum, zu  wissen, welche Produkte häufig nachgefragt werden, weiß der amerikanische Handelsgigant inzwischen sogar, dass bei einer Hurrikanwarnung nicht nur H-Milch und Cornflakes gebunkert werden, sondern ein Produkt namens Strawberry Pop-Tarts (süße mit klebriger Fruchtmasse gefüllte Teigtaschen) zum Bestseller wird. Wer hätte das gedacht oder diese Verbindung hergestellt ? Aber auch vor dem alten Kontinent machen die Datenanalysten natürlich keinen Halt. So findet derzeit in  einigen französischen Lebensmittelmärkten ein Feldversuch statt, in dem mithilfe eines Selbst-Scanverfahrens das sog. Cross-Selling gesteigert werden soll. Also wenn der Computer bemerkt, der Kunde hat kräftigen Käse seinem Warenkorb zugefügt, wird ihm automatisch auch ein dazu passender Rotwein vorgeschlagen. Der Erfolg in Form einer deutlichen Umsatzsteigerung pro Kunde gibt den Testern recht.

War bis vor ein paar Jahren noch Bill Gates als Abbild des Bösen in der digitalen Welt verschrien, so hat diese Rolle nun der ehemaligen Google-Vorstand Eric Schmidt an sich gerissen. (Dieser Eric Schmidt hat übrigens gerade zusammen mit unserer Kanzlerin die CeBit in Hannover eröffnet und wird als neuer Wirtschaftsminister unter Barack Obama gehandelt, ohne Kommentar !) Wer die Botschaften des Buches verstanden hat, kann der Bezeichnung Datenkrake durchaus etwas abgewinnen, sei es nun negativ oder positiv. Es ist teilweise wirklich erschreckend, welche Daten diverse Unternehmen über uns besitzen und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen und auch bereits gezogen werden. Allerdings muss man den Autoren zuerkennen, dass sie eigentlich selbst in der Wirtschaftsanalyse/-beratung tätig sind, ihre Adressaten sind also eher nicht wir Kunden sondern die Verantwortlichen in den Verkaufs- und Marketingabteilungen. Denn bei allen Ängsten, die man gewiss verspüren kann, können die vorhandenen Datenmengen auch das/unser Leben erleichtern und damit auch die Wirtschaft stimulieren.

Eigentlich sollte dieses Buches von den Krankenkassen verschenkt werden, denn es öffnet die Augen und schärft gleichzeitig den Blick. Es fördert die Durchblutung, die Halsmuskel schwellen an, die Nackenhaare stellen sich und das Kleinhirn meldet sich zu Wort ! Quasi ein kostenloses Ganzkörpertrainig ! Also, Herr Gesundheitsminister Bahr, woran hängt´s noch ?

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