Meinung der Redakteurin: “Avatar” und die Büchse der Pandora

Zugegeben, bessere 3D-Effekte hatte man zuvor im Kino noch nicht gesehen, die Bilder waren durchweg brillant und die Optik sagenhaft. Nun hat es der Film endlich auch ins heimische Wohnzimmer geschafft. Allerdings kommen nun die Schwächen des Films gnadenlos zutage, denn abgesehen von den Effekten hat Camerons angeblich bester Film aller Zeiten, nicht viel zu bieten. Ohne 3D Brille und Digitalprojektor bleibt eine allenfalls mäßige Story mit erschreckend eindimensionalen Personen und einem Hauptdarsteller, der nun mal eindeutig nicht für Charakterfach geeignet ist.

Teuer war er vor allem. Mag sein, dass er der teuerste Film aller Zeiten war, über den genauen Millionenbetrag ist man sich nicht einig. Aber ist teuer auch gleich automatisch besser? Geld ausgeben kann Paris Hilton auch und Talent würde der auch niemand unterstellen. Optisch ist der Film eindeutig weit vorne, das will ich gar nicht bestreiten. Auch auf DVD mag das für viele ja funktionieren, dennoch ist und bleibt die DVD eben ein Rückschritt. Dass Cameron hier mit seiner neu entwickelten 3D-Technik die Messlatte höher gelegt hat, ist auf den ersten Blick offensichtlich, allerdings ebenso offensichtlich treten nun auch Unterschiede zu anderen 3D-Filmen zutage, die nicht mit Millionen um sich werfen konnten (deshalb aber auch nicht unbedingt automatisch schlechter sind).

Dazu ist Folgendes zu sagen: Die meisten 3D-Filme, die zurzeit ins Kino kommen, sind in der Tat nachträglich am Computer in 3D umgerechnet, im Gegensatz zu Camerons Technik, der schon während des Drehs das Ganze mit 3D-Optik aufgenommen hat. Ob Hollywood sich damit wirklich einen Gefallen tut, sei dahin gestellt. Kampf der Titanen hat ja schon bewiesen, dass Enttäuschungen hier vorprogrammiert sind. Von einem neuen Standard kann hier also noch nicht gesprochen werden, weil den Verleihern die Kosten zu hoch und die Einspielergebnisse im Vergleich zu niedrig sind. Die erste Neugier hat sich mit Avatar gelegt und die höheren Preise tun auch den Kinobesuchern weh. Damit dürfte Cameron vorerst den größten Gefallen seinen Vermögensverwaltern getan haben, nicht aber der Kinobranche, die darunter leiden muss, dass er die Büchse der Pandora geöffnet hat. Mal sehen, wie sich das in Zukunft noch entwickelt und ob die Zuschauer, die alle ach so begeistert von Avatar waren nun auch dem dreidimensionalen Kino die Stange halten.

Die Handlung von „Avatar“ ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert, nichts Neues und nun mal lediglich Beiwerk. Es sollte wohl ein Film über Ausbeutung und Raubbau an der Natur, ein Plädoyer gegen den Krieg werden, doch leider ließen sich die Macher dann zu Szenen hinreißen, die das Gegenteil vermuten lassen. Man kann sich nicht auf der einen Seite an der Kriegsästhetik aufgeilen, das Sterben der Na’vi medienwirksam in Szene setzen und dann behaupten, man sei dagegen. Alles in allem, hätte es dem Film gut getan, wenn die Na’vi und ihre Welt etwas dunkler, bedrohlicher dahergekommen wären und nicht so kreischig bunt, als kämen gleich die Tele Tubbies um die Ecke.
Zudem hat es in den letzten Jahren wohl kaum ein Film gegeben, dessen Besetzungsliste mir schleierhafter geblieben wäre, als dieser. Sam Worthington (Jake Sully) trägt nun mal keine Hauptrolle, hier hätte ein Schauspieler her gemusst, der mit seinem Spiel so nachhaltig beeindruckt, dass es die Szenen, in denen er in seinem Avatar steckt, überdauert. Leider blieb auch die Figur der Dr. Grace Augustin (Sigourney Weaver) weit hinter den Möglichkeiten, die hier geschlummert hätten, zurück und macht aus dem Talent, das Sigorney Weaver eigentlich mitbringt überhaupt nichts. Alle anderen Figuren sind absolut ersetzbar und könnten auch von völlig anderen Personen gespielt werden, es würde keinen Unterschied machen.

Ein Film, der angeblich der beste Film aller Zeiten, oder zumindest des Jahrzehnts sein soll, hätte Charaktere haben müssen, die man nicht mehr vergisst. Leider verkommen die Technik und die optische Aufmachung hier völlig zum Selbstzweck und spielen die eigentliche Hauptrolle des Films. Für mich längst nicht der beste Film des Jahrzehnts, noch nicht mal des Jahres. So sah das wohl auch die Academy als sie Cameron in der Kategorie bester Film ausgerechnet gegen seine Ex-Frau alt aussehen ließen. Da hätte er sich mal ansehen sollen, wie man Krieg richtig in Szene setzt!!!!!

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