Konzertkritik: IX. Amphi-Festival, 20. + 21.07.2013, Tanzbrunnen Köln

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Wanderschuhe an und auf zum Tanzbrunnen! Zwischen dem 20. und 21. Juli  folgte wieder 16.000 Anhänger der schwarzen Musik diesem Aufruf und machten sich auf ans Kölner Rheinufer.

Trotz sengender Hitze präsentierte sich die Szene in schönstem Schwarz (und Schwarz-bunt) und feierte Bands wie Tanzwut, Agonoize, Suicide Commando, Letzte Instanz, Diary of Dreams, VNV Nation und die Headliner Fields of the Nephilim.

Für Essen und Getränke war gesorgt, wenn auch erwartungsgemäß zu hohen Preisen. Dafür gab es Trinkwasser umsonst, sofern man gewillt war eine Weile in der Schlange und der Sonne auszuharren. Danke der Sonnenschirme vor der Hauptbühne verbrannten die meisten Besucher jedoch nicht allzusehr. Weitere Bühnen waren im Staatenhaus und im Theater plaziert, die auch insgesamt etwas Abkühlung gewährleisteten.

Besonders das Theater stand als Location für Lesungen und Konzerte nicht nurwegen der sich dort befindlichen Klimaanlage bei den Besuchern hoch im Kurs. Classic & Depeche verzückte eingelfeischte Depeche Mode Fans einmal mehr mit sphärisch, am Piano in Szenen gesetzten Klassikern ihrer Lieblingsband. Die luxemburgische Band Rome verzauberte die Zuhörer mit dem von ihnen so bezeichneten “Chanson Noir”, die mit ruhigen Klägen und der imposanten und eindringlichen Stimme von Frontmann Jérôme Reuter wie eine Art Singer-Songwriter der schwarzen Szene klingt und nur zu empfehlen ist. Die Ruhigen Klänge boten eine entspannende Abwechslung zu parallel an der Hauptbühne stattfindenen Performance der Aggrotech-Band Agonoize, die in gewohnter Weise mit Kunstblut eine splatterfilmartige Szenerie hinterließen und die Fans begeisterten.

Auch der Herr der Maden, Dr. Mark Benecke, ließ sich seinen jährlichen, mittlerweile beinahe traditionellen Auftritt im Theater nicht nehmen und wartete diesmal mit einer Lesung zu Vampyren, Menschen die glauben Vampire zu sein, und Morden an und von Gestalten der Nacht auf. Er thematisierte alle Vorurteile und falschen Annahmen, die gegenüber der Szene zu den aberwitzigsten Aussagen in Mordprozessen führen können und dem Wesen wahrer Psychopathen. Informativ und in einem rasenden Redetempo sorgte er für eine kurzweile Auszeit vom Konzertgeschehen.

Fans von Welle:Erdball bekamen dieses Jahr ein besonderes Bonbon auf dem Amphi-Festival geboten. Nachdem Fräulein Plastique erst einige Tage zuvor ihre Trennung von der Band bekannt gab, konnte der Besucher doch noch einmal in der gloreichen alten Zeit schwelgen. So präsentierte Honey, kreativer Kopf der Band, die 20-jährige Bandgeschichte mit dem Film „20 Jahre Best of“, welcher zusammen mit dem gleichnamigen Album in diesem Jahr veröffentlicht wurde.

Am Abend traten im Theater DJ’s auf und boten den Tanzwütigen Elektro-Industrial,  EMB und Aggrotech zum austoben an. Die Disko war auch in diesem Jahr gut besucht.

Das Staatenhaus wartete mit der zweiten Indoorbühne, Verkaufsständen und sogar Kaffee und Kuchen auf. Zu den Bands, die dort ihr Können zeigten, zählten Umbra et Imago, die nicht zu überzeigen wussten und sich live leider sehr mittelmäßig anhörten. Ob dies allein am Sänger oder der Technik lag sei dahingestellt.  Um Welten besser verkaufte sich Suicide Commando mit Johan Van Roy, der Stimmung in die Halle brachte und mit bekannten Songs wie “See you in hell” oder “Bind, torture, kill” die Fans zum tanzen und feiern brachte.

Die draußen herrschende Brutkastenatmosphäre konnte selbst Fans von Lack, Korsett, viktorianischen Kleidern und Co. nicht davon abhalten auch vor der Hauptbühne alles zu geben und „das Ding zu rocken“. Auch Kinder waren wieder mit ihren Eltern anwesend und bewiesen erneut die friedliche und angenehme Atmosphäre, die in dieser Szene üblich ist und nur allzu oft von Außenstehenden verkannt wird. Im Verglich zum letzen Jahr, als die Sisters of Mercy viele Originale der 80er sammt ihrer Familien zogen, waren es diesmal weniger ganz junge Gäste.

Auf der Hauptbühne ließen unter anderem Tanzwut Industrial- und Mittelalterrockklänge übers Gelände tönen. Die Berliner um den Teufel sorgten für Partystimmung und begeisterten die Massen unter anderem mit dem Ärzte-Cover “Bitte Bitte”. Auch Diary of Dreams waren ein vielgewünschter Publikumsmagnet, ebenso wie der Hauptact am Sonntag: Fields of the Nephilim um Leadsänger Carl McCoy.

Fazit: Alles in allem war für jeden Geschmack etwas dabei auf einem gut organisierten, spaßigen und friedfertigem Amphi 2013, das als eher kleines und gemütliches, aber dennoch exklusives Festival in der Szene wieder einmal einen Besuch wert war.

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